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Kunststoffrecycling - "Die Quadratur des Kreises"

Erdrückender Kunststoffabfall

Plastic Consumption & Waste Europe - Klick öffnet Großansicht!Wir ersetzen Stahl, Glas, Holz und andere Werkstoffe durch Kunststoffe und während der Plastikverbrauch unserer Gesellschaft stetig ansteigt und unsere Deponien an ihre Grenzen stoßen, wird in der Öffentlichkeit der Eindruck aufrechterhalten, daß wir durch Sammeln und Recyceln unseren Abfall und unsere Resourcen kontrollieren. Die EU Kommission demonstriert Entschlossenheit durch hohe Recycling-Quoten.

Die Wirklichkeit erschließt sich allerdings erst wenn man die existierenden Daten von 2006 im Zusammenhang sieht: Wir vergraben immer noch 50% und verbrennen 30% des gesammelten Kunststoffabfalls (2003 waren es noch 60% und 20%). Damit haben wir 80% (zirka 15.5 Millionen Tonnen) des Abfalls und damit 31% der ICIS plastic recycling overstated - Klick öffnet Großansicht!produzierten Kunststoffe in Europa (2003 waren dies noch 50%) wieder der Natur zurückgegeben; man muss sich aber fragen, ob dies auf umweltfreundliche Weise geschieht, selbst wenn Verbrennen als energetisches Recycling von der Kunststoffindustrie als beste Lösung favorisiert wird (denn das erfordert Neuproduktion). Werkstoffliches  Recycling hat seine Grenzen, obwohl man nicht die Mengen unterschätzen sollte, die hier recycelt werden (immerhin 4,5 Millionen Tonnen).

Rohstoffliches Recycling spielt mit 2.2% eigentlich keine Rolle und man kann daraus auch schließen, daß diese Technologie noch nicht erschlossen ist. Die Daten für die obige Graphik stammen aus der im Januar 2008 veröffentlichten Studie „The Compelling Facts about Plastics“ von Plastics Europe – Association of Plastics Manufacturers (www.plasticseurope.org)1).

Die von APME in 20042) publizierten hohen Recyclingraten wurden damals vom Europäischen Verband der Kunststoff-Recycler (EuPR) stark angezweifelt31), die einen Rückgang beim Recycling beobachten und besonders den Plastikabfall-Export als geschäftsschädigend betrachten. An der neuen Studie hat EuPR mitgewirkt und der Trend zeigt deutlich, daß die produzierten Kunststoffmengen rapide ansteigen, während die gesammelten Abfallmengen stagnieren, was zwangläufig Recyclingquoten unter 10% zur Folge hat (mechanisches und rohstoffliches Recycling), bezogen auf die produzierten Mengen. Und zurück kommen die immer! Fragt sich nur wann und wie. Laut der Untersuchung sind aus dem Produktionszzeitraum von 1993 bis 2006 schließlich noch 280 Millionen Tonnen im Umlauf oder befinden sich an Orten, die uns nicht bekannt sind. (Quelle: http://www.plasticker.de )

Was macht Energie, Wasser und Abfall so interessant?

Alle Resourcen auf dieser Erde sind endlich und Großkonzerne haben begonnen, die Kontrolle über Energie, Wasser und Abfall anzustreben. Die stattfindende Konzentration in diesen Märkten hat nichts mit Verlusten zu tun, sondern eher mit den zu erwartenden sicheren Profitmargen auf Grund der Abhängigkeit von Ländern, ihrer Bürger und Regierungen. Der Ölpreis stieg stetig und die Rohstoffkosten für die Kunststoff-Produktion folgten zwangsläufig und führten zu Konsolidierung und Verlust von Arbeitsplätzen. Inzwischen hat es sich auch herumgesprochen, daß Amerika nur noch eigene Ölreserven für zirka 40 Jahre hat und eine Zukunftsprognose für die Entwicklung der Kunststoffpreise war eigentlich nicht schwierig.
Dann kam die Finanzkrise und der Ölpreis stürzte wieder ab auf Grund der Angst vor sinkender Nachfrage. Die Preise von Massenkunststoffen und deren chemische Vorprodukte sanken sogar in einem noch stärkerem Maß, was die Unwirklichkeit nur noch unterstreicht. Denn die Preise werden wieder steigen wenn sich die Wirtschaft stabilisiert und die OPEC sich durchsetzt. Bei niedrigem Ölpreis wird weniger in die Ölförderung investiert, da diese sich nur bei höheren Ölpreisen rechnet. Also werden geplante Projekte gestoppt, um erst dann wieder aufgenommen zu werden wenn eine anziehende Wirtschaft die bereits vorprogrammierte Angebotsknappheit erzeugt und den Ölpreis wieder steigen läßt. Die Kunststoffpreise werden diesem Trend zwangsläufig folgen.

Welche Logik verbirgt sich also hinter hohen unrealistischen Recycling-Quoten der EU Kommission und dem2008.12._crude_oil.jpg nationalen Subventionieren des Sammelns und Sortierens von Kunststoffabfällen (oft als Zwangsabgabe für Konsumenten), wenn viele dieser teuer zusammengetragenen Wertstoffe billig nach Fernost verkauft werden, nur um dann als billige Fertigprodukte wieder zu uns zurückzukommen (z.B. Polyester in Textilfasern oder Polystyrol im Spritzguß), um die Wettbewerbsfähigkeit mancher europäischen Produktion auszuhebeln?

Wenn unsere Bürger schon für das Sammeln der Wertstoffe bezahlen müssen, dann haben sie es eigentlich verdient, daß man neue Recycling-Technologien und Arbeitsplätze für sie schafft, um unsere Kunststoffabfälle wieder zu verwenden. Durch sie könnten manche unserer Produkte kostengünstiger sein, weil unsere Rohstoffkosten durch intelligentes Recyceln gesenkt werden könnten wenn wir unsere Wertstoffe selbst verwenden, anstatt sie unseren Wettbewerbern in Fern-Ost zur Verfügung zu stellen, damit diese ihre Kosten senken. Steigene Rohstoffkosten erlauben zwangläufig höhere Recyclingkosten und können somit neue attraktive und profitable Industriefelder und Arbeitsplätze schaffen.
Was früher zu Zeiten billigen Öls unattraktiv war, sollte heute ein intelligenter Schritt zu günstigen Rohstoffkosten sein.

Die neue Strategie zur Rohstoffversorgung der EU Kommission vom November 2008 stellt fest, daß sich die Abhängigkeit von Rohstoffimporten durch Recycling erheblich mindern läßt. Doch werden viele Altstoffe illegal exportiert und gehen der EU so für das Recycling verloren32)

Das Baseler Übereinkommen vom 22. März 1989, auch bekannt als Basler Konvention (vollständiger Titel: Basel Convention on the Control of Transboundary Movements of Hazardous Wastes and Their Disposal), ist ein Rechtswerk, das die "Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung (mit Anlagen)" regeln soll.

Die Europäische Union hat die Richtlinien in der EU-Abfallverbringungsverordnung Nr. 259/93/EWG (EG-AbfVerbrV) für alle Mitgliedstaaten rechtsverbindlich umgesetzt (Inkraft getreten 1993). Mit der neuen Verordnung (EG) Nr. 1013/2006 wurde diese Verordnung Nr. 259/93 novelliert. Seit dem 12. Juli 2007 wird diese neue Verordnung angewandt und soll eine Scheinverwertung von Abfällen verhindern.

Wer weiß eigentlich, wohin Flammschutzadditiv-belasteter Elektronikschrott aus Europa (und Amerika) verbracht wird?

                                                                                    April 2008 / überarbeitet 12/2008
                                                                                    Dr. Gerald G. Altnau
                                                                                    Gesellschafter der CreaCycle GmbH
                                                                                    Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können  

 

Literatur:
1. APME – „The compelling facts about plastics“ published January 2008 - PDF
2. Plastics Europe – “An analysis of plastics consumption and recovery in Europe” published Summer 2004 - PDF
31. Plasticker News 21 April 2006 „EuPR: Concern about Plastics Europe Study on Waste Management“ – Link
32. Neue Strategie der EU Kommission zur Rohstoffversorgung 4.Nov. 2008 - link   

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