
| Kunststoffrecycling - "Die Quadratur des Kreises" |
Erdrückender Kunststoffabfall
Was macht Energie, Wasser und Abfall so interessant?Alle Ressourcen auf dieser Erde sind endlich und Großkonzerne haben begonnen, die Kontrolle über Energie, Wasser und Abfall anzustreben. Die stattfindende Konzentration in diesen Märkten wird angetrieben von den zu erwartenden sicheren Profitmargen auf Grund der Abhängigkeit von Ländern, ihrer Bürger und Regierungen. Der Ölpreis stieg bis 2008 ungebrochen und die Rohstoffkosten für die Kunststoff-Produktion folgten zwangsläufig und führten zu Konsolidierung und Verlust von Arbeitsplätzen. Inzwischen hatte es sich auch herumgesprochen, daß Amerika nur noch eigene Ölreserven für zirka 40 Jahre hat und eine Zukunftsprognose für die Entwicklung der Kunststoffpreise war eigentlich nicht schwierig. Dann kam die Finanzkrise in 2008/2009, der Ölpreis stürzte ab und die Preise von Massenkunststoffen und deren chemische Vorprodukte sanken sogar in noch stärkerem Maße. Im Zeitraum von November 2008 bis Januar 2009 war Benzol sogar billiger als Öl (aus dem es produziert wird), was die Unwirklichkeit nur noch unterstreicht. Neben der Fokussierung auf die Ressourcen gibt es aber noch andere maßgebliche Zusammenhänge. Bei niedrigem Ölpreis wird weniger in die Ölförderung investiert, da diese sich in zunehmendem Maße nur bei höheren Ölpreisen rechnet. Also werden geplante Projekte gestoppt, um dann wieder aufgenommen zu werden, wenn eine anziehende Wirtschaft eine bereits vorprogrammierte Angebotsknappheit erzeugt und den Ölpreis wieder steigen läßt. Die Kunststoffpreise werden diesem Trend zwangsläufig folgen.Steigende Rohstoffkosten erlauben zwangläufig höhere Recyclingkosten und können somit neue attraktive und profitable Industriefelder und Arbeitsplätze schaffen. Was zu Zeiten billigen Öls unattraktiv war, sollte heute ein intelligenter Schritt zu günstigen Rohstoffkosten sein.Die neue Strategie zur Rohstoffversorgung der EU Kommission vom November 2008 stellte fest, daß sich die Abhängigkeit von Rohstoffimporten durch Recycling erheblich mindern läßt. Trotzdem werden viele Altstoffe illegal exportiert und gehen der EU so für das Recycling verloren32). Welche Logik verbirgt sich also hinter hohen unrealistischen Recycling-Quoten der EU Kommission und dem nationalen Subventionieren des Sammelns und Sortierens von Kunststoffabfällen in der EU (oft als Zwangsabgabe für Konsumenten), wenn viele dieser teuer zusammengetragenen Wertstoffe billig nach Fernost verkauft werden, nur um dann als billige Fertigprodukte wieder zu uns zurückzukommen (z.B. Polyester in Textilfasern oder Polystyrol im Spritzguß), um die Wettbewerbsfähigkeit europäischen Produktionsstätten auszuhebeln? Wenn unsere Bürger schon für das Sammeln der Wertstoffe bezahlen müssen, dann haben sie es eigentlich verdient, daß man neue Recycling-Technologien und Arbeitsplätze für sie schafft, um unsere Kunststoffabfälle wieder zu verwenden. Dadurch könnten manche unserer Produkte kostengünstiger sein, weil Rohstoffkosten durch intelligentes Recyceln gesenkt werden können. Inzwischen geht das Jahr 2011 dem Ende zu, die Wirtschaftskrise klopft erneut an unsere Tür und der durchschnittliche Ölpreis (WTI) liegt wieder bei $80 pro barrel. Er befindet sich also genau da, wo er Anfang 2008 vor dem Ausbruch der 1. Wirtschaftskrise stand. Die Rohstoffpreise haben ebenfalls angezogen und im Umfeld der Unruhen im Nahen Osten sind Schwankungen vorprogrammiert. Seit 2003 steigen die Ölpreise und zeigen größere Preisausschläge als in der Vergangenheit, aber auf deutlich höherem Niveau. Das gilt natürlich auch für Kunststoffe und deren Vorprodukte und wird somit zum Problem z.B. für Produzenten von Automobilen und Elektro(nik)geräten, da solche Kostensteigerungen nur schwer an die Konsumenten weitergegeben werden können, deren reale Kaufkraft sinkt. Wann kommt für Europa eigentlich der Zeitpunkt, aktiv in neue Recyclingtechnologien zu investieren?
Das Baseler Übereinkommen vom 22. März 1989, auch bekannt als Basler Konvention (vollständiger Titel: Basel Convention on the Control of Transboundary Movements of Hazardous Wastes and Their Disposal), ist ein Rechtswerk, das die "Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung (mit Anlagen)" regeln soll. Vielleicht ist hier eher die Erklärung für einen Teil unseres noch ausstehenden Kunststoffabfalls zu suchen, da dieser zum Teil wegen schlechter Kontrolle inzwischen schon lange in Ghana oder China auf offenem Feld als Elektro(nik)schrott verbrannt wurde, um an die Metalle zu kommen? Die Rauchsignale sollten leicht zu sehen sein.
April 2008 / überarbeitet 10/2011
Dr. Gerald G. Altnau
Gesellschafter der CreaCycle GmbH Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können
Literatur:
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